Kommuniqué zum Auswärtsspiel bei RB Leipzig

Oktober 20, 2016 in Allgemein

Gerade mal zwei Wochen ist es her, dass einige Fangruppen RB Leipzigs aus dem „Fanverband“ austraten, weil sie diese Versammlungen als inhaltsleer ansahen und die Entscheidungshoheit seitens der Funktionäre für sie nicht mehr tragbar war. Fatal für einen Verein, der die Hürden für eine Vereinsmitgliedschaft so hoch ansetzt, dass es ohnehin nur eine Handvoll entscheidungsberechtigter Mitglieder gibt, die alle dem Unternehmen Red Bull verbunden sind. Kritisiert wird allgemein, dass der Club sich durch das Geld der Marke Red Bull in die 1. Liga spielen konnte und Spieler RB Leipzigs und RB Salzburgs beliebig oft hin und her wechseln können werden. Der Vorwurf, der Verein habe seine sportlichen Erfolge nicht durch „ehrliche“ Leistung in einem „fairen“ Wettbewerb verdient, erscheint auf den ersten Blick nicht unbegründet. Aber wie fair ist dieser Wettbewerb eigentlich?

Nicht zuletzt die „Nein zu RB“ Kampagne und die damit einhergehenden Boykottaktionen lassen außer Acht, dass der Fußball in einer kapitalistischen Gesellschaft logischerweise auf Profitmaximierung ausgerichtet ist – und das nicht nur in Leipzig, Hoffenheim oder Ingolstadt. Schon die Gründung der Bundesliga markierte den Übergang vom Amateurismus zum Profitum. Der Streit darum geht bis in die Anfangstage des Fußballs zurück. Tatsächlich gibt es etliche „große“ und etablierte Vereine, die zwar formal an die „50+1“-Regelung gebunden sind, jedoch von den Zuwendungen ihrer Sponsoren und Investoren abhängig sind und von diesen beeinflusst werden. Das alles ist kein neues Phänomen: Der erste deutsche Verein, der Trikotwerbung seines Sponsors einführte, war 1973 Eintracht Braunschweig. Die erste deutsche Fußball-Kapitalgesellschaft, die an die Börse ging, war 2000 die Borussia Dortmund GmbH & Co. KgaA, welche zuvor aus dem Verein ausgegliedert worden war. Der erste deutsche Verein, der seinen Stadionnamen verkaufte, war 2001 der Hamburger SV. Drei erklärte „Traditionsvereine“, die in der Kapitalbeschaffung neue Wege gingen und mit alten Traditionen brachen. Traditionen, die schon immer offen für Gönner und Mäzene waren.

Dennoch wird das Schreckensszenario gezeichnet, dass „Traditionsvereine“ von „Emporkömmlingen“ nach und nach in die unteren Ligen verdrängt und ihre privilegierte Stellung verlieren würden. Aber auch unsere lieben „Traditionsvereine“ spielen nach diesen Regeln, weswegen wir es paradox finden, dass die Kommerzialisierung im eigenen Verein von den meisten als notwendiges Übel oder gar berechtigt gilt, um konkurrenzfähig zu bleiben. Wir finden es falsch, uns auf sogenannte Retortenvereine oder Plastikclubs, welche nur die Spitze des Eisbergs markieren, einzuschießen.

Deshalb fahren wir Sonntag nach Leipzig und unterstützen unsere grün-weiße Elf. Wir möchten betonen, dass dies kein Aufruf ist, alles hinzunehmen, was einer oder einem vor die Füße geschmissen wird. Es ist notwendig, sich für einen angenehmeren Fußball und Mitbestimmung einzusetzen. Wir wissen beispielsweise zu schätzen, dass das Weserstadion noch seinen ursprünglichen Namen trägt. Zweifelhaft ist für uns aber die Art der Kritik, welche nur einen Teil des Problems ins Auge nimmt und dabei völlig ausblendet, warum der Fußball so funktioniert, wie er es tut. Es ergibt für uns keinen Sinn, RB zu boykottieren und dabei ernsthaft davon überzeugt zu sein, das Richtige zu tun. Um prominent zu zitieren: „Es gibt kein richtiges Leben im Falschen.“

Konsequent wäre also eine allgemeine Kritik am Kapitalismus, nicht nur bei RB, nicht nur im Fußball, sondern überall!

Infamous Youth, Caillera, L’Intesa Verde, UltrA-Team Bremen

Filmvorführung: Girl Power

Oktober 5, 2016 in Veranstaltungen

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Am Mittwoch, den 12.10.2016 zeigen wir im OstKurvenSaal den Graffiti-Film „Girl Power“ und beteiligen uns somit an den europaweiten Football People Action Weeks gegen Diskriminierung im Fußball. Die jährlich stattfindenden, europaweiten Football Action Weeks vereinen dieses Jahr über 2.000 Aktivitäten gegen Diskriminierung im Fußball und erreichen damit direkt mehr als 100.000 Menschen. Wir unterstützen diese Initiative dieses Jahr damit, dass wir einen Fokus auf das Thema Sexismus legen wollen.

Wir begreifen die Fankurve, und insbesondere die Ultrakultur, als eine Subkultur, die für uns alle einen Platz frei von gesellschaftlichen Zwängen und Druck sein kann und soll. Damit geht unser Bestreben einher, die Fankurve so zu gestalten, dass sie im Idealfall zu einem diskriminierungsfreien Ort wird. Leider ist dies bislang noch nicht der Fall, sind wir doch alle mehr oder minder in dem gegenwärtigen Zustand der Gesellschaft verwurzelt und seinen Einflüssen ausgesetzt. Dies bedeutet für uns jedoch nicht, diesen Zustand zu akzeptieren oder gar als gut zu befinden.

Wir wollen weiter an den allgegenwärtig präsenten Diskriminierungsformen arbeiten und nutzen die Gelegenheit, die uns die Football People Action Weeks geben, um das Thema Sexismus wieder etwas mehr in den Vordergrund zu rücken. Wir wählen dafür den Ansatz, über den Tellerrand unserer eigenen Subkultur hinweg zu blicken, um so ggf. Rückschlüsse auf unser eigenes Zusammenleben innerhalb der Fankurve und dort vor allem innerhalb der Ultrakultur ziehen zu können. Der 2016 erschienene Graffiti-Film „Girl Power“ bietet uns die seltene Gelegenheit, Eindrücke davon zu gewinnen, welchen Widerständen Frauen* ausgesetzt sind, wenn sie sich subkulturell verwirklichen wollen.

In einer überwiegend männlich* dominierten Szene werden weibliche* Künstlerinnnen zunehmend erfolgreicher und verwirklichen sich mittlerweile in eigenen Magazinen oder Graffiti-Shows. Dieser Film zeigt sowohl die Geschichten von Graffiti-Künstlerinnen* in 15 Städten dieser Welt als auch die Geschichte der Produzentin Sany, wie sie sich 7 Jahre lang der Produktion dieses Films widmete, um weibliche* Emanzipation im Graffiti zu dokumentieren und um anderen Frauen* die Möglichkeit zu geben, sich mit Graffiti zu verwirklichen.

Wir freuen uns also sehr, diesen Film am kommenden Mittwoch präsentieren zu dürfen und hoffen, dass ihr genauso Bock darauf habt wie wir. Die Vorstellung geht um 19:00 Uhr los. Im Anschluss gibt es die Möglichkeit, das Gesehene und Erfahrene gemeinsam zu reflektieren und zu diskutieren. Der Eintritt ist kostenlos!

Für mehr Infos checkt: http://www.girlpowermovie.com/

Wir als Veranstalter*innen möchten, dass sich Besucher*innen auf unserer Veranstaltung wohlfühlen. Für Sexismus, Rassismus, Homophobie, Antisemitismus und andere Diskriminierungsformen ist hier kein Platz.

Neue Shirts, Sticker und Aufnäher in der Boutique

September 9, 2016 in Allgemein

stand_shirtsNeue Aufnäher und Stickerpakete und was nicht sonst noch so alles bei uns zu erwerben sein wird, könnt ihr dann in der neusten Ausgabe der „les petites pensées“ oder direkt bei uns am Stand entdecken. Also plündert eure Sparschweine!

Alles geben!

Mai 12, 2016 in Allgemein

Moin Werderfans,

da die Diskussionen um den Boykott der Ultra-Gruppen und die Stimmung im Weserstadion auch nach dem Montagsspiel gegen den VfB Stuttgart nicht enden zu wollen scheinen, haben wir uns dazu entschieden, in den Diskurs ein letztes Mal einzusteigen und unsere Sicht der Dinge im Rückblick kurz darzustellen.

Zunächst möchten wir betonen, dass wir mehr als froh sind, dass Werder dieses so wichtige Spiel auf eindrucksvolle Art und Weise gewinnen konnte. Wie heftig geil war dieses Spiel denn bitte? Einfach unglaublich! Besonders gefreut hat es uns, dass das gesamte Weserstadion durch lautstarke und emotionale Unterstützung einen Beitrag dazu leisten konnte, dass ab der ersten Spielminute nur wenig Zweifel daran aufkamen, wer das Spielfeld nach Abpfiff als Sieger verlässt. Umso mehr schmerzte es uns, dass wir an diesem sportlichen sowie stimmungstechnisch ganz sicher denkwürdigen Ereignis nicht teilhaben konnten. Es war eine 90-minütige innere Zerreißprobe. Wir stehen jedoch nach wie vor zu unserer Entscheidung und ihren Konsequenzen, auch wenn es sicherlich für ausnahmslos alle von uns nicht leicht war, ein derart wichtiges Spiel unseres Vereins außerhalb des Stadions zu verfolgen.

Mit Bedauern stellten wir nun fest, dass manch eine*r dieses Spiel und diesen Abend zum Anlass nahm, den Sinn des organisierten Supports im Weserstadion in Frage zu stellen. Wir hoffen, dass derartige Einschätzungen die Ausnahme darstellen und den meisten Werderfans, die regelmäßig Spiele unseres Vereins im Stadion besuchen, bewusst ist, dass diese eindrucksvolle Stimmung auch dem Ablauf und den Begleitumständen des Spiels am Montag zu verdanken ist und (leider) keinesfalls die Regel darstellt. Wir sind uns sicher, dass diese Atmosphäre nicht als Reaktion auf unser Fernbleiben und als Zeichen gegen den organisierten Support zu verstehen ist, sondern in erster Linie als Zeichen für unsere Elf auf dem Rasen und für den Klassenerhalt. Wir hoffen daher, dass sich diese Bereitschaft zur Unterstützung, die sich am Montag, aber auch schon in den Spielen gegen Wolfsburg und in München gezeigt hat, genauso für die letzten Spiele der Saison und möglichst auch langfristig erhalten lässt, denn zugegebenermaßen war die Stimmung in dieser Saison vor allem bei Heimspielen in der Regel mehr als ausbaufähig. Es liegt an uns allen, das Weserstadion zukünftig wieder zu einer Festung werden zu lassen.

Zuletzt bleibt zu sagen, dass in den verbleibenden Wochen dieser Spielzeit nicht die Diskussionen um den Stil der Unterstützung oder um verschiedene Ausrichtungen des Fan-Seins das zentrale Thema sein dürfen, sondern einzig und allein unser gemeinsames Ziel: der Klassenerhalt. Also lasst uns im kommenden Spiel gegen die Eintracht nicht über Support-Stilfragen streiten, sondern die Frankfurter gemeinsam und stimmgewaltig aus Stadion und Liga fegen!

Alles geben – Niemals zweite Liga!

Infamous Youth
UltrA-Team Bremen
L´Intesa Verde
Caillera